Heimat- und Volkstrachtenverein Waldeslust Grünbach e.V.

Am Kellerberg 9, 85461 Bockhorn, gegründet 1924, Mitglied im Isargau, Bayerische Heimat- und Volkstrachtenvereine e.V.

 

Heimbau

Chronik

 

 

Zu Beginn der 50er Jahre gab es die ersten Wünsche nach einem eigenen Vereinsheim. Anfang 1954 konnte vom Ehrenvorstand Theodor Binding ein halbes Tagwerk Grund für einen symbolischen Preis erworben werden. Es handelte sich um den ehemaligen Pichplatz der Grünbacher Weißbierbrauerei, dieser war zum damaligen Zeitpunkt eine aufgelassene Sandgrube. Der Platz war auch „archäologisch“ interessant, denn man fand beim Ausgraben der Fundamente Unmengen von Glasscherben, die dort über Jahrzehnte entsorgt wurden. Im Mai 1954 war Baubeginn, am 16. Juni 1954 war bereits das Richtfest. Es wurde im Osten eine kleine Hausmeisterwohnung mit Küche, Schlafzimmer und einem Kinderzimmer gebaut. Ebenso wurden ein Raum für die Theaterbühne und Toiletten gebaut. Dagegen hatte die Wohnung keine eigene Toilette und kein Bad. Zur Körperpflege der Bewohner wurde das Waschhaus in einem kleinen Nebengebäude genutzt.

Baumaßnahme 1954     Trachtenheim 1955


Als Festsaal wurde an die Theaterbühne eine gebrauchte Militär-Unterkunftsbaracke angebaut. Diese Baracke konnte man im Flughafen Erding günstig erwerben. Das Dach war nur mit Dachpappe gedeckt. Für Wärme im Saal sorgte ein Sägemehlofen (Sogleimofa). Am 25. Juni 1955 fand die Heimeinweihung mit einem Heimatabend statt. Der Eröffnungstermin war mehr als sportlich gewählt worden. Am Tag vor dem Heimatabend gab es noch keinen Fußboden im Saal. Es wurde die ganze Nacht gearbeitet und die ersten Gäste begegneten noch den Handwerkern, die gerade die Baustelle verließen. Die Baracke wurde nur einige Jahre genutzt. Nachdem bei einem Sturm in der Nacht vor dem Faschingsball das halbe Dach vom Wind weggeblasen wurde, entschloss man sich, einen richtigen Saal zu bauen. Der Faschingsball fand im Übrigen statt. Die abgerissenen Teile wurden im Wald eingesammelt und wieder zusammengebaut. Am Abend wurde ausgelassen gefeiert.

Bereits 1962 wurde mit dem Neubau begonnen. Ein Saal mit 130 m² wurde gebaut. Westlich davon war der Eingangsbereich mit einer kleinen Küche und einem Lagerraum im Obergeschoß. Die finanziellen Mittel waren damals sehr begrenzt. Die Mitglieder gewährten zinslose Darlehen und beim Bau wurde gespart, wo es nur ging. Nach vielen Schwierigkeiten konnte der Saal am 13. September 1964 durch Pfarrer Neumaier die kirchliche Weihe erhalten.

Trachtenheim 1964

 

1972 verabschiedeten sich die Herbergsleute Kathl und Sepp Adelsberger, die seit 1955 mit ihren Kindern Willi und Ingrid die Seele des Trachtenheims waren. Sie hatten in unvergleichlicher Weise das Haus zum Heim gemacht. Bereits 1974 wurde in Sitzungen über den Bau einer neuen Hausmeisterwohnung beraten. Die Wohnung war damals schon nicht mehr zeitgemäß ohne Dusche, Bad, WC. Auch der Abschluss eines Bausparvertrages wurde in Erwägung gezogen. 1975 wurde das Trachtenheim an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen, 1980 kam der Kanalanschluss. 1993 wurden konkrete Planungen für eine umfassende Renovierung und den Bau einer neuen Hausmeisterwohnung in Angriff genommen. Die Kostenschätzung des Planers Xaver Bauer belief sich auf 550.000 DM. Die nächste Zeit verging mit einer konkreten Ausarbeitung der Pläne und der Suche nach Zuschüssen. Von der Direktion für ländliche Entwicklung wurde im Rahmen der Dorferneuerung ein Zuschuss von bis zu 120.000 DM in Aussicht gestellt. Das galt es natürlich abzuwarten. Auf dieses Geld wollte die Vorstandschaft nicht verzichten. Die Planungen der Dorferneuerung zogen sich in die Länge. In Grünbach passierte fast nichts. Erst am 12. Juli 1997 konnte man in einer außerordentlichen Generalversammlung den Beschluss fassen, die Sache jetzt anzupacken. Die Baugenehmigung hatte man bereits erhalten. Eine Zuschusszusage vom Dorferneuerungsprogramm gab es immer noch nicht.

Am 18. April 1998 war Baubeginn. Die Maßnahme wurde in drei Bauabschnitte geteilt. Im ersten Abschnitt wurden die Toiletten komplett entkernt und zur ehemaligen Hausmeisterwohnung hin erweitert. Außerdem wurde das alte Dach abgebaut. Das komplette Dach wurde mit einer Schalung versehen und mit Falzziegeln neu eingedeckt. Bis zur Generalversammlung im Oktober waren die Toiletten soweit fertig, dass sie benutzt werden konnten.

1999 wurde mit dem 2. Bauabschnitt begonnen. Es wurden der Eingangsbereich im Westen, die Küche, der Lagerraum und der Keller abgerissen. Die verbliebene Wand an der Westseite musste man aufwändig unterfangen. Neu errichtet wurden ein Keller, ein Anbau für Eingangsbereich und Garderobe, die Küche und eine Hausmeisterwohnung mit ca. 70 m². In diesem Jahr erfolgte auch eine Kreditaufnahme über 120.000 DM sowie eine Beitragserhöhung auf 50 DM je Mitglied. Das ganze Jahr wurde an den Wochenenden fleißig gewerkelt, dennoch zog sich der Bau in die Länge. Am 22. Oktober 1999 konnte Hebweih gefeiert werden. Bis dahin wurden 2.600 freiwillige Arbeitsstunden geleistet und insgesamt 164.000 DM ausgegeben.

Im Jahr 2000 wurde der Innenausbau in Angriff genommen und eine moderne Ölheizung für Wohnung und Heim eingebaut. Im Januar 2001 wurde die Wohnung an die neuen Hausmeister Zita und Sigi Strätling übergeben.

2001 begann auch der 3. Bauabschnitt mit der Erneuerung des Saales. Der Saal wurde mit einer Innenisolierung ausgestattet. Durch die großzügige Unterstützung der Schreinerei Westermaier aus Kleinthalheim war es möglich, eine schöne Holzdecke einzubauen. Am Ende wurde der Parkettboden abgeschliffen und neu versiegelt. Mitte des Jahres wurde es finanziell sehr eng. Es waren schon über 5.500 Arbeitsstunden geleistet worden, aber die Kasse war leer. Doch großzügige Spenden unserer Mitglieder und Gönner verschafften etwas Luft. Unser Ehrenmitglied Anton Grabrucker fertigte, wieder mit der Unterstützung der Schreinerei Westermaier, Einbauschränke und eine Holzverkleidung für Wand und Schanktheke. Die Schanktheke hatte man schon einige Jahre vorher vom Gasthof Stangl in Eichenried bekommen. Nach einem Brand und dem folgenden Neubau wurde sie dort nicht mehr benötigt. Als alles fertig war, waren alle Mitglieder und Besucher vom Ergebnis begeistert. Fertig war man allerdings noch lange nicht. Küche, Keller, Balkon, Außenputz und Außenanlagen waren noch zu machen. Das Jahr 2003 begann man mit der Fertigstellung des Balkons der Hausmeisterwohnung.

 Baumaßnahmen am neuen Trachtenheim     Trachtenheim 2014


Die Eingangstreppe wurde mit Platten gefliest. Im Keller folgten der Innenputz, Estrich- und Fliesenarbeiten. Mitte November begann man mit den Erdarbeiten für die Pflasterung der Außenanlagen. Im Frühjahr 2004 wurden die Arbeiten an den Außenanlagen fortgeführt und abgeschlossen. Auch der Außenputz konnte durch eine großzügige Materialspende unseres Mitglieds Georg Grasser aus Englpolding angebracht werden
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Am 26. Sept. 2004 fand die Einweihung unseres Trachtenheimes durch Pater Philipp Kollecki statt. Nach über sechs Jahren Bauzeit und mehr als 7.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden war das Haus endlich fertig. Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang, dass während der gesamten Bauzeit, die Brotzeiten für die freiwilligen Helfer von der Grünbacher Bäckerei Blattenberger spendiert wurden. Wenn am Samstag um ½ 12 Uhr einer der Arbeiter zum Bäck‘ kam, hieß es nur “wia fui Leit seit´s?“ Großzügig ausgestattet kam er dann zur Baustelle zurück. Dafür ein herzliches Vergelt´s Gott.

Wie jeder Bauherr weiß, ist ein Haus nicht fertig wenn die Handwerker die Baustelle verlassen haben. Ein eigenes Haus fordert immer seinen Besitzer, es ständig zu pflegen und instand zu halten. Auch die Einrichtung war bei uns noch lange nicht abgeschlossen. In der Küche gab es außer einem Herd, einer Spülmaschine, einer kleinen Haushaltsspüle und einem provisorischen Tisch keine weiteren Gegenstände. 2007 wurde über dem Kellerabgang ein Dach errichtet, da es bei starkem Regen schon mehrmals Probleme mit dem Wasser gegeben hatte. 2008 wurde das Darlehen, das der Verein 1999 aufgenommen hatte, verlängert. Die Zinsen waren leider leicht angestiegen und der Schuldenstand immer noch beträchtlich. Die laufenden Ausgaben für unser Haus belasteten den Etat erheblich und es war nicht möglich, eine Sondertilgung zu leisten. 2008 wurde die Kleiderkammer im Altbau hinter der Bühne umgebaut und auch der Sitzungsraum daneben erhielt einen neuen Fußboden. Eine zusätzliche Türe vom Sitzungsraum zur Bühne wurde eingebaut. 2011 wurden für die Küche eine neue Edelstahleinrichtung und eine gebrauchte Gastrospüle gekauft und eingebaut. 2013 kam ein Dunstabzug hinzu. Nun war auch die Küche fertig. 2013 wurde auch ein neuer Fahnenschrank im Eingangsbereich eingebaut. Dort kann nun jeder Besucher unsere restaurierte Fahne bewundern. 15 Jahre seit dem Beginn des Umbaus sind vergangen, bis alle Bau- und Einrichtungsmaßnahmen abgeschlossen werden konnten. Somit kann unser 90-jähriges Gründungsfest mit dem komplett fertiggestellten Trachtenheim begangen werden. Wir dürfen stolz sein auf unser Trachtenheim.

Verfasser: Anton Lechner (2014)

 

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